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Geist und Kunst der Kognitiven Kunsttherapie

Oktober 2020

01. 10. 2020

Ich will einer so verstandenen anal regressiven Kunst eine gewisse Faszination keineswegs absprechen. Aber man erfährt dabei nichts über die schöpferische Ordnungsfunktion der Innenwelt. Stattdessen wird der oder die Betrachtende mit eine eher verwirrenden, weil ungeordneten Chaos konfrontiert. Das bestärkt ihn oder sie möglicherweise darin, dass es sinnvoller und vor allem gesünder ist, sich von dieser vermeintlichen Innenwelt fernzuhalten.

Hat sich die Kunst der schöpferischen Ordnung entfremdet? Was ist denn überhaupt unter Ordnung zu verstehen? Sicherlich ist die Aufgeräumtheit kleinbürgerlicher Wohnzimmer auch eine Art von Ordnung, wie der Psychiater Fritz Simon geschrieben hat. Aber das ist selbstver-ständlich nicht gemeint. Ich gehe davon aus, dass es einfache und komplexe Formen von Ord-nung gibt. Anders gesagt: Man kann niedrig strukturierte Ordnungsmuster von komplex struk-turierten Ordnungsmustern unterscheiden. In jedem Fall liegt aber jeder Ordnung ein schöpfe-rischer Impuls zugrunde, weil sich das Ungeordnete ohne einen ordnenden Geist nicht ordnen würde. Was ich damit andeute, möchte ich mit zwei therapeutischen Zeichnungen aus der Kunsttherapie mit gegenständlichen Bildern veranschaulichen. Das erste Bild verdeutlicht eine geringe und das zweite Bild eine komplexere Form von Ordnung.

Ordnung

Geringe Ordnung

Komplexe Ordnung

Unabhängig vom Ordnungsgrad vermittelt sich in einem gegenständlichen Bild ein Inhalt auf den man sich beziehen kann, weil ein Aspekt der Außenwelt dargestellt worden ist. In einem gegenstandslosen Bild ist jedoch kein dargestellter Inhalt der Außenwelt abgebildet worden. Das bedeutet, dass eine abbildungsfreie geistige Dimension zum Ausdruck gekommen ist. Aus diesem Grund könnte es sinnvoll sein zwischen der Realität einer Außenwelt und einer Wirk-lichkeit der Innenwelt zu unterscheiden. In dere westlichen Malerei war es Kasimir Malewitsch der in seinem Suprematistischen Manifest auf diesen grundlegenden Unterschied hingewiesen hat. Es ist sicher kein „Zufall“, dass zu dieser Zeit Georgi Iwanowitsch Gurdjieff und P. D. Ous-pensky den Weg zur vierten Dimension gelehrt haben.


In den Vorlesungen zu meinen Bildern der fünften Dimension (auf YouTube Teil 1, 2 und 3) habe ich mich eingehend mit diesem Thema befasst.


Angeregt durch die Philosophie Arthur Schopenhauers, dessen Einsichten und Analysen zu einer Tiefenpsychologie ungeformt wurden, hat vor allem C. G.Jung mit seiner Unterscheidung zwischen dem persönlichen und einem kollektiven Unbewussten sowie zwischen dem Psycho-logischen und dem Psychischen entscheidendes zum Verständnis der höher dimensionierten Innenwelt beigetragen. 

Vorlesungen

Vierte Dimension

Tiefenpsychologie

Veröffentlichung

Auch der Quantenphysiker und Nobelpreisträger Wolfgang Pauli hatte sich in Zusammenhang mit dem Konzept der Archetypen und ihren transsubjektiven Dimensionen befasst. Pauli meinte dass es vor jeder rationalen Erkenntnis strukturierende, man könnte auch sagen: ein Gestalten bildendes präkonfiguriertes Muster des Erkennens geben würde, das auf ein universales psy-choides System hinweisen könnte. Vereinfacht gesagt würde das Denken unterschwelligen Mustern folgen, einer nicht bewussten im psychischen Kollektiv angelegten Matrix. 

Archetypen

02. 10. 2020

Unsere Wahrnehmungsfähigkeit ist eine geistige und keine physische Funktion. Das heißt nicht die Sinne sind wahrnehmend, sondern das von den sensorischen Detektoren Empfangene wird wahrgenommen und dadurch bewusst. Die Wahrnehmung selbst ist ein nicht physisches und somit nicht materiell bedingtes Phänomen. Wäre die Wahrnehmung physisch bedingt würde sie das materiell Wahrgenommene nicht erkennen, ebenso wie sich die Pigmente der Farbe Rot selbst nicht als Farbe wahrnehmen können. 

Wenn die Wahrnehmung ein geistiges Attribut und kein physischer Aspekt ist, dann ist nicht einzusehen, dass sich die Wahrnehmung nur auf die physisch wahrnehmbare materielle Welt beziehen sollte. Es wäre also naheliegend anzunehmen, dass sich die Wahrnehmung auch auf nicht materielle sensorisch nicht wahrnehmbare Phänomene bezieht. 

Die geistige Welt ist die Dimension der abstrakten Ideen, der Gestalten formierenden Kon-zepte und Prinzipien, der Information durch Formation, sowie der konkreten Welt der physisch existierenden Formen. Die geistige Dimension und die physische Dimension setzen sich gegen-seitig voraus. Beide sind präexistent, ursachelos und raumzeitlich voneinander unabhängig. Das Geistige ist demzufolge nicht die Ursache des Physischen und ebenso ist das Physische nicht die Ursache des Geistigen. Geistiges und Physisches sind Ursache und Wirkung in sich selbst.

Wahrnehmung

Das Denken ist eine intrazerebrale Aktivität. Dabei lässt sich ein äußeres sensorisch beding-tes Denken von einem inneren extrasensorischen Denken unterscheiden. Beide Formen des Denkens können bewusst oder unbewusst sein und haben Einfluss auf das Handeln und sich Verhalten. Im Unterschied zum extrasensorischen Denken, das überwiegend unbewusst ist ereignet sich das sensorisch bedingte Denken überwiegend bewusst, weil es mit den sen-sorischen Beobachtungen der physischen Realität korrespondiert. Im normalen Wahrneh-mungszustand ist sich das Denken des Denkens nicht bewusst. In einem psychedelischen Wahrnehmungszustand kann sich jedoch das Denken des Denkens bewusst sein.


Denken

In der physischen Dimension werden Orte durch die Position des Körpers im relativen Kontext zu Objekten bestimmt. In der psychischen Dimension sind Orte qualitative Übereinstimmun-gen mit qualitativ empfundenen Ereignissen und Zuständen. Diesem Phänomen zufolge be-ruhen die Methoden in der Fine Art Therapy auf sogenannten sympathetischen Analogien und Übereinstimmungen. Das „innere“ Wissen um dieses Prinzip reicht weit zurück und Schama-ninnen und Schamanen, Heilerinnen und Heiler, Magierinnen und Magier haben sich dessen be-dient bevor es entartet war. Assoziativ gedacht weist das Wort „entartet“ darauf hin, dass die Gier des „Machens“ den Aspekt der Kunst verdrängt hat. 

Sympathetische

Analogie

Mich hat das was man heute als Kunsttherapie bezeichnet nie interessiert. Mein Anliegen war und ist der Zusammenhang von Geist und Kunst. Dabei hat mich die Frage beschäftigt, welchen Einfluss die Graphomotorik des abbildungsfreien Zeichnens auf die Kognition und das psychi-sche Erleben hat denn ich habe aufgrund eigener Erfahrungen in Selbstversuchen gemerkt, dass es sich auf eine Veränderung des Wahrnehmens und des Selbsterlebens auswirkt. 


Geist und Kunst

Kasimir Malewitsch schreibt in seinem Suprematistischen Manifest sinngemäß, dass ein Künst-ler, der nicht gegenständlich abbildet, sondern etwas erschafft – etwas aus sich selbst zum Aus-druck bringt. Seine Bilder sind dann keine Spiegelbilder der Natur bzw. der gegenständlichen Welt, sondern neue Tatsächlichkeiten, die nicht weniger bedeutend sind als die Tatsächlichkei-ten der Welt selbst. Man sollte einsehen, dass die Kunst nicht abbildend sondern bildend zu sein hätte; das aber scheint nicht erkannt zu sein, so das das Wesentliche der Kunst der Ge-sellschaft unzugänglich bleibt. Für den Suprematisten ist demnach immer jenes Mittel des Aus-drucks das gegebene, das die Empfindung selbst und ohne Umwege über Symbole oder Me-taphern möglichst unmittelbar zum Ausdruck bringt und dabei das Gewohnte der Gegenständ-lichkeit ignoriert.

Kasimir Malewitsch

Zwei meiner supre-matistioschen Studien aus dem Jahr 1979

03. 10. 2020

Ich sitze in meinem Studio und trinke grünen Tee. Dabei schaue ich zwanglos auf eines meiner Bilder, das vor mir über einem alten Regal hängt und ich merke, wie sich in meinem Gehirn eine Frage in den Vordergrund meiner Aufmerksamkeit drängt. Wie kommt es, dass dieses aus Farb-partikel bestehende Struktur ein Bild ist, das in mir und nicht auf meinen Körper wirkt? Sobald ich mit einer Frage konfrontiert bin sei es eine Frage in mir oder eine Frage außerhalb von mir von jemand anderen gestellt wird beginnt eine Art Channeling das mich zu einer Antwort führt. Ich erinnere mich an Emanuel Swedenborg und seine Idee der Ideoplastik. Damit meinte er, dass unser Körper eine ideoplastische Verwirklichung unseres Geistes ist. Wenn aber – so  dachte er weiter – der Geist den Körper nach seinem Bilde schafft, dann ist das Geistige vom kausalen Standpunkt aus betrachtet früher als der Körper und das würde dann bedeuten, dass der Geist vom Körper unabhängig ist, in dem Sinn, dass ein verschwinden des Körpers nicht gleichbedeutend mit einem Verschwinden des Geistes ist. Anders gesagt: Das Geistige ist nicht nur ein formierendes sondern auch ein subsistierendes – in sich selbst seiendes - Phänomen. 

Wenn es so ist lässt sich daraus folgern, dass die Moleküle aus denen das Bild besteht von etwas konfiguriert worden sind, was sich von ihnen grundlegend unterscheidet. Es wäre dies etwas Geistiges, etwas, das die Farbmoleküle ideoplastisch zu einer Gestalt ordnet und ihnen eine bestimmte Lage, Form und Funktion zuweist. Kommen wir noch einmal zur Ideoplastie zurück. Was bedeutet sie? Formierung der Materie durch ein geistiges Konzept, das selbst nicht vom Materiellen hergeleitet werden kann. Das würde bedeuten, dass sich die Materie des Bildes (und nicht nur sie) aufgrund ihres Formiert-Seins auf etwas zurückführen lässt, das diese Formierung bedingt. Was sagt uns das wenn man den materiellen Körper des Bildes mit unse-rem eigenen Körper gleichsetzt?

Was ist das Gemeinsame zwischen einem Bild und einem Körper? Beide bestehen aus Molekü-len  und diese Moleküle sind zu einer Gestalt konfiguriert. Es gibt demnach etwas Geistiges, das die Moleküle ideoplastisch zu einem Bild oder zu einem Körper oder irgendeinem anderen Phänomen ordnet. Bein einem Bild kann man sich das gut vorstellen. Ich bzw. etwas Geistiges in mir hat die Farbmoleküle zu Formen und die Formen zu einem Bild geordnet. Aber das kann ich nicht auf meinen oder irgendeinen anderen Körper übertragen. Wo ist in diesem Fall das Geis-tige, das die Moleküle des Körpers zu einer Gestalt konfiguriert? Das sind keine müßigen Fragen. Deshalb sind die Methoden der Fine Art Therapy auf die geistige Dimension des Men-schen bezogen. 

Bild und Körper

Emanuel Swedenborg

Ideoplastik

Formierung der Moleküle

04. 10. 2020

Schaut man sich die bildende Kunst – also die Malerei – unvoreingenommen an stellt man fest, dass es bereits vor annähernd 40.000 Jahren Menschen gab, die gemalt haben und dass es ebensolange keine Kunst und keine Künstler gegeben hatte. Die bedeutsamsten chinesischen und japanischen Tuschemalereien sind ebenso namenlos wie die Tantramalei des Hinduismus oder die Tempelbilder des tibetischen Lamaismus. Kunst und Künstler sind eine neuzeitliche Erscheinung des Westens. Wohin diese „Kunst“ geführt hat ist offensichtlich. 

Kunst und Paläologie

05. 10. 2020

Wenn man dafür bereit ist zu lernen, kann alles im Leben ein Lehrer sein. Als ich vor über vierzig Jahren damit begonnen habe Shakuhachi zu spielen war das Instrument mein Lehrer. Niemand hätte mich besser und schonungsloser auf meine Fehler hinweisen können als das Instrument selbst. 

Der Mathematiker Blaise Pascal hat gesagt. „Alle irren auf so gefährliche Weise, weil jeder ei-ner Wahrheit folgt. Ihr Fehler liegt nicht darin, dass sie einer Unwahrheit folgen, sondern darin, dass sie nicht einer anderen Wahrheit folgen.“

Wahrheit ist ein verwirrendes Wort. Was ist Wahrheit? Der Quantenphysiker Max Born hat gesagt, dass das Gegenteil einer Wahrheit wiederum eine Wahrheit sein kann. So gesehen sind wir vermutlich von Wahrheiten umgeben. Das sagt letzten Endes aber auch nicht viel. Was ist für einen Hund die Wahrheit? Sicher die Wirklichkeit, die er durch seine Sinne wahrnimmt. Die Wahrheit mit Wirklichkeit gleichzusetzen scheint mir ein vernünftiger Ansatz zu sein. Wahr-heit ist Wahrnehmung und Wahrnehmung ist weder wahr noch unwahr. Sie ereignet sich in ei-nem Kontext von Bedingungen. 

Lernen

Wahrheit

Diese Pinselspur ist wahr weil sie wirklich ist. Und wirklich ist deshalb weil Du sie sehen kannst. Wenn Du aber sagst, diese Pinselspur ist langweilig, dann wäre das in Bezug auf das Phänomen nur in Bezug auf Dich wahr weil Du auf die Pinselspur eine Dich betreffende Interpretation auf das Phänomen übertragen würdest. Deine Interpretation würde wirklich sein, sie wäre aber nicht wahr. Wahr würde die Wirklichkeit der Interpretation sein. In diesem Zusammenhang steckt das gravierende Problem der Gleichsetzung des Wirklichen mit dem Wahren. Das ist nicht nur theoretisch von Bedeutung sondern vor allem für die Praxis der Fine Art Therapy. Hier sind die Methoden son gestaltet, dass der Klient das für ihn Wahre über das Wirkliche sei-nes darstellungsfreien Bildes zu erkennen vermag.

Wirklichkeit

06. 10. 2020

Landkarten zeigen uns mögliche Wege. Wege führen von hier nach dort. Sie sind in einem moralischen Sinn weder gut noch schlecht, sie sind auch in einem philosophischen Sinn weder wahr noch nicht wahr. Stattdessen sind sie mehr oder weniger zweckmäßig und organisch in der Landschaft angelegt. 

Es gab einmal den Beruf des Wegmachers. Er hat einen Weg abgesteckt und ausgebaut damit andere leichter vorankommen konnten. Wege sind Hilfsmittel, um bequemer und sicherer von hier nach da gelangen zu können. Sie sind dafür geschaffen, dass andere ihr Ziel erreichen können. Wege sind lebendig; man sollte sie nicht mit den Straßen unserer Tage gleichsetzen. Ein guter Weg entfaltet das Wesen der Landschaft. 

Eine gute Methode ist wie ein Weg. In der Final Art Therapy sind die Methoden wie organisch im psychischen Gelände angelegte Wege. Die Methoden sind so beschaffen, dass sie das Gehen im unbekannten Gelände der Psyche erleichtern. So wie ein organisch angelegter Weg das Wesen einer Landschaft nicht stört oder gar zerstört, so bringt eine kunsttherapeutische Me-thode den Menschen auch nur dann weiter wenn sie die Besonderheit seiner seelischen Land-schaft berücksichtigt. 

Das ergäbe Sinn. Vor allem dann wenn man bedenkt, dass das Wort Sinn ursprünglich die Be-deutung von Gehen, Reisen, Fahren, eine Richtig einschlagen, eine Fährte suchen oder auf et-was hin unterwegs sein hatte.

Wege und Methoden

Innere Landschaft

Wet steppingstones

don’t grap

flow on …

07. 10. 2020

Jemand hat mich vor einigen Tagen gefragt wodurch sich die Fine Art Therapy von der Kunst-therapie unterscheiden würde. Ich sehe das so. Kunsttherapie ist ein Sammelbegriff für alle möglichen Vorstellungen und Methoden, in denen das Malen, Tonkneten, Bildhauern und der-gleichen in allen möglichen Variationen angewendet wird, um bei Patienten eine Änderung  anzuregen. Man könnte sagen, dass es sich dabei um eine kreative Form von Selbsterfahrung handelt wobei der Schwerpunkt auf dem Ausdruck von Gefühlen in Zusammenhang mit bio-grafischen Erinnerungen liegt. Weil aber das Malen, Tonkneten, Collagen kleben oder Ähnliches allein keine Probleme, Konflikte oder Symptome löst, wird über das kreative Produkt des Pati-enten gesprochen. Wie ein solches Gespräch geführt wird bleibt der Kunsttherapeutin und ihrem persönlichen Verständnishorizont überlassen. In der Regel werden solche Gespräche emphatisch und auf Gefühle bezogen geführt. Aus kognitionswissenschaftlicher Sicht kann der Ausdruck von Gefühlen und Emotionen zwar befreiend und entlastend sein, es sind damit jedoch in kognitiver und psychischer Hinsicht keine nachhaltigen strukturierenden und um-strukturierenden Einflüsse verbunden. Um dergleichen zu gewährleisten werden theoretische Konzepte aus der Psychoanalyse, der Tiefenpsychologie, der humanistischen Psychologie bis hin zu esoterischen und pseudobuddhistischen Ansätzen angewendet. Diesbezüglich fällt auf, dass das Meiste nachgeredet und kaum verstanden wird, dass man  von Dingen redet, die man selbst nicht erfahren und erkannt hat. 

Wenn man den Begriff „Kunsttherapie“ zum Beispiel mit dem Begriff „Gesprächstherapie“ vergleicht dann ist bei kritischer Betrachtung offensichtlich, dass man in der Gesprächstherapie über das Gespräch therapeutisch interveniert und darüber hinaus keine Anleihen an andere Me-thoden nötig hat. Überträgt man diesen Zusammenhang auf die Kunsttherapie dann sollte man - wie der Name suggeriert - über das Medium Kunst therapeutisch intervenieren können ohne sich anderer therapeutischer Theorien und Methoden bedienen zu müssen. Das ist jedoch nicht der Fall. 

Kunsttherapie

08. 10.2020

In der Fine Art Therapy werden graphomotorische und vor allem darstellungsfreie Ausdrucks-handlungen dazu benutzt (utilisiert) seelisch-geistige Ordnungsmuster und Ordnungsprozes-se zu initiieren, um indirekt auf den Symptomzustand einzuwirken. Dabei geht es um eine Äs-thetik des schöpferischen Handelns und ebenso um eine Ästhetik des kreativen, vernünftigen und kritischen Denkens. Wie der Name Fine Art in Zusammenhang mit Therapy bereits andeu-tet, setzen die Methoden nicht an der „Kunst“ sondern an der „bildenden Kunst“ an. Das ist ein grundlegender Unterschied zum Verständnis der Kunst in der Kunsttherapie, der kein erkenn-bares Verständnis der Kunst zugrunde liegt. Was wirkt im psychischen oder psychosomati-schen Kontext wie, wodurch und worauf?

Der New Age Philosoph, Schriftsteller und geistige Anarchist Robert Anton Wilson hat ge-schrieben: „So traurig es ist, aber Sie werden nie etwas wirklich verstehen, wenn Sie einfach nur ein Buch lesen. Deshalb gehören zu jeder wissenschaftlichen Ausbildung auch Experimente im Labor und deshalb verlangt jede bewusstseinsbefreiende Bewegung praktische Übungen in Yoga, Meditation, Konfrontationstechniken usw., mit denen die verschiedenen Ideen im Labor Ihres Nervensystems getestet werden können.“

Fine Art Therapy

Etwas verstehen

09. 10. 2020

Eine Landkarte ohne  Gelände ist ein nutzloses Blatt Papier mit bedeutungslosen Zeichen. Sich in einem unbekannten Gelände zurechtzufinden ist schwierig, wenn man sich nicht zu orien-tieren vermag. Das Gelände gibt der Karte Sinn, wenn deren Zeichen mit der Beschaffenheit des Geländes übereinstimmen. Damit man von einem unbekannten Gelände eine Karte anle-gen kann, muss man sich um Orientierung bemühen. Links und rechts, vorne und hinten, oben und unten sind einfache Orientierungsmittel; auch Zeit und Entfernung kommen noch dazu.

Hat man eine Landkarte geschaffen dann ist sie umso besser je genauer sie die Realität des Geländes wiedergibt. Sie ist dann  eine Beschreibung der Realität eines Gebiets. Dadurch ist sie nichts Beliebiges sondern ist verbindlich. Man sollte sich darauf verlassen können. Andernfalls führt sie ins Abseits. Man kann die seelisch-geistige Welt mit einer unbekannten Landschaft vergleichen. Wenn man sie betritt muss man sich auf ihre Besonderheiten und Eigenheiten einlassen. Dafür ist Orientierung hilfreich.

Orientierung und Unterscheidung hängen eng zusammen. So wie man den Norden vom Süden und den Osten vom Westen unterscheiden kann, ebenso kann man auch lernen Unterschiede im psychischen Gelände wahrzunehmen und zu unterscheiden. Vierundvierzig Jahre lang hat der Künstler-Patient Michael Golz, einer der vier Preisträger des Euward 7 (2021) an dieser überdimensionalen Phantasie-Landkarte gearbeitet, die aus einzelnen Kartensegmenten zu-sammengesetzt ist.

Orientierung

Psychische Landkarte

15. 10. 2020

Noten sind keine Töne und Buchstaben sind keine Gedanken. Gedanken sind wirklich, aber sie sind nicht die Wirklichkeit.  Gegenständliche Bilder zeigen die Gefühle des Gedachten. Gegenstandslose Bilder zeigen nichts, was man sich hätte denken können. Was man nicht denken kann zeigt sich als gegenstandslose Wir-kung.


Die Drei-Prinzipien-Lehre im Tibetischen Lamaismus

23. 10. 2020

Wenn wir die psychische Innenwelt nicht nur medizinisch psychiatrisch oder diplompsychologisch verstehen wollen, dann hätten wir uns der geistigen Dimension des Menschen zuzuwenden. Dann würde die Kunst etwas zu sagen haben. Ihr würde dann nämlich die besondere Aufgabe zufallen Methoden zu entwickeln, um auf das Geistige des Menschen einzuwirken. Die Kunst könnte eine dementsprechende Beziehung zu den geistigen Aspekten der psychischen Innenwelt fördern. Das würde allerdings vorau-ssetzen, dass sich der oder die kunsttherapeutisch Handelnde selbst auf einen solchen Prozess eingelassen hat sodass er oder sie von sich selbst her verstehen kann, wie solche Wege verlaufen und wohin sie führen. Hier sind bei kritischer Betrachtung gewisse Defizite in der Kunsttherapie nicht zu übersehen.

Geist und Kunst